Die Bücherstube im
gräflichen Abstellkammer

im Schloss Stolpe

Renaissance Bau 1600

Für den Ursprung dieses Raumes im 16. Jahrhundert sprechen die Wandarkaden und ein zugemauerter, nicht verputzter Zugang zu einem „Toilettenpfeiler“ an der Nordwand (Abb. 1). Vermutlich war dieser Raum bis in die Barockzeit ein Schlafzimmer. Dafür sprechen bauhistorische Vergleiche mit anderen Gutshäusern sowie der zugemauerte Abortzugang (Abb. 1). 

Auch die Folgen des Umbaus um 1900 sind auf Abbildung 1 zu erkennen. Dabei wurde im darunter gelegenen „Grünen Salon“ die Decke um ca. 70 cm angehoben. Seitdem verläuft in der Abstellkammer der Fuß-boden knapp unter den Fensterbrettern. Wegen seiner geringen Höhe wurde der Raum von der gräflichen Familie als Abstellkammer genutzt.  

Nach 1945 fanden hier Kriegsflüchtlinge eine erste Unterkunft.

Ab 1949 war es der Wohnraum des von der MAS („Maschinen-Ausleih-Station“) später MTS („Maschinen-Traktoren-Station“) beauftragten „Verantwortlichen für Kultur“. Dieser hatte u. a. die Aufgabe, den ersten in Stolpe angeschafften Fernseher im „Kulturraum“ im Erdgeschoss des Schlosses (jetzt „Grüner Salon“) für die Stolper „Fernsehgemeinde“ an jedem Abend an- und auch wieder auszuschalten.

                                                             

Abstellkammer_1
Abb. 1: zeigt die baulichen Veränderungen infolge des Umbaus um 1900. Deutlich erkennbar ist die Anhebung der Decke im darunterliegenden „Grünen Salon“ um etwa 70 cm. Dadurch verläuft der Fußboden der darüberliegenden Abstellkammer seither knapp unterhalb der Fensterbretter. Aufgrund der daraus resultierenden niedrigen Raumhöhe wurde dieser Bereich von der gräflichen Familie ausschließlich als Abstellkammer genutzt.
Abstellkammer_2
Abb. 2: zeigt die zugemauerte frühere Zugangstür von der Galerie zur ehemaligen Abstellkammer. Darüber hinaus ist auf den Abbildungen 2 und 3 die nahezu vollständig erneuerte Decke zu erkennen. Denkmalgerecht wurden Schilfrohrmatten als Träger für den neuen Deckenputz angebracht, die auf beiden Bildern gut sichtbar sind.

Umbauarbeiten

Nach 1973 war hier von einem Kinderferienlager ein Schlafraum eingerichtet. Anschließend war der Raum bis zur Übernahme des Schlosses durch die Gemeinde Stolpe 1996 dem Verfall preisgegeben.

Nach 2004 wurden schrittweise Restaurierungsarbeiten mit Eigenmitteln durchgeführt:

Die frühere Zugangstür von der Galerie zur „Abstellkammer“ wurde zugemauert (Abb. 2).

Die Decke wurde fast vollständig erneuert. Die denkmalgerecht angebrachten Schilfrohrmatten als Halt für den Deckenputz sind auf den Abbildungen 2 und 3 zu erkennen.

Ein während der DDR-Zeit in der rechten Wandarkade der Südwand eingesetztes Fenster wurde zugesetzt. In der linken Arkade wurde ein zugesetztes ehemaliges Fenster wieder geöffnet und ein typisches Renaissancefenster mit flachem segmentbogigen Sturz geschaffen (Abb. 3), damit an einer Stelle die ursprüngliche Gestaltung der Fassade aus dem 16. Jahrhundert zu sehen ist.

Restauration 2020

Der Fußboden wurde mit neuen Dielenbrettern versehen.

Die Wände wurden verputzt. Zwischen den beiden Fenstern der Ostwand wurde zur Ansicht des zugesetzten Zugangs zur Renaissance-Außentoilette ein Putzfenster erhalten (Abb. 1).

Nach diesen Arbeiten und einem provisorischen Anstrich wurde der Raum als Bücherstube genutzt.

Bei den Restaurierungsarbeiten 2020/21 wurde entsprechend der früheren Nutzung als Abstellkammer ein schmuckloser Wand- und Deckenanstrich ausgeführt sowie eine Jugendstil-Deckenleuchte angebracht. Die gräfliche „Abstellkammer“ wird weiterhin als Bücherstube genutzt. Die im Raum befindlichen antiken Möbel sind Geschenke von Mitgliedern und Freunden des „Fördervereins Schloss Stolpe e.V.“. Sie wurden im Auftrag des Fördervereins 2020 fachgerecht restauriert. Die Bücherregale wurden neu gefertigt und vom Förderverein finanziert.

In dem jetzt denkmalgerecht restaurierten Raum können Besucher in gemütlicher Atmosphäre schmökern und Bücher zum Mitnehmen auswählen.

Abstellkammer_3
Die Abbildung dokumentiert den Zustand der ehemaligen gräflichen Abstellkammer nach den Restaurierungsarbeiten in den Jahren 2020/21. Entsprechend ihrer historischen Nutzung wurde ein schlichter Wand- und Deckenanstrich gewählt. Als dezentes gestalterisches Element ergänzt eine Jugendstil-Deckenleuchte den Raum. Die einstige Abstellkammer dient heute als ruhige Bücherstube.